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Ernst Solèr im Gespräch mit Alexander Rödiger Drucken E-Mail
Geschrieben von Alexander Rödiger   


"Ich schreibe für Leser, nicht für Literaturbeamte"
 

Er schreibt regelmässig für die Wirtschaftszeitung Cash, hat das DRS-3-Spiel "Schlosshotel Wahnwitz" kreiert und mit Staub den ersten Zürcher Kommissar erfunden: Ernst Solèr im Gespräch mit Alexander Rödiger für Xecutives. 

Die Wirtschaft spielt in deinen Krimis eine bedeutende Rolle. Weshalb?

 

Die Bedeutung der Wirtschaft für unser tägliches Leben wird oft unterschätzt. Sie prägt unsere Gesellschaft, und in ihr kann man die Trends der Gesellschaft ablesen. Mein Buch "Staub im Wasser" beispielsweise handelt von der Finanzbranche, von Kleinanlegern und Betrügern. Geschichte und Hintergrund wurden sicher durch meine Arbeit für Cash inspiriert.

 

Was ist dein Motiv für das Krimi-Schreiben?

 

Mir geht es zuallererst um eine spannende Geschichte. Die ist natürlich in erster Linie handlungsorientiert. Doch kann man darin vieles einbauen, was einen persönlich bewegt.

 

Also zählt nicht nur der Plot?

 

Nein, nicht unbedingt. Ein Krimi ist immer auch ein wenig Welt aus meiner Sicht. Basis für meine Geschichten bilden meine Heimat, meine Stadt, mein Umfeld, aber auch meine tägliche Arbeit.

 

Hast du beim Schreiben einen Leser vor Augen?

 

Nein, ich schreibe vor allem, was ich selbst gerne lesen würde. Natürlich weiss man aus der Forschung, dass der typische Leser eine Frau ab 40 ist. Doch spielt das während des Schreibens keine wichtige Rolle.

 

Als Leser fragt man sich oft: Was macht der Autor, damit ein Krimi spannend ist?

 

Das frage ich mich auch. Man kann nicht hingehen und sagen: Ich schreibe jetzt etwas Spannendes. Natürlich gehört auch Handwerk dazu: Wer Krimis schreibt, weiss, dass es ein paar Leichen braucht. Auch sollte ein Mord immer ein Motiv haben. Es reicht nicht, dass jemand umkommt, nur damit wieder etwas in der Vorstadt läuft. Und so fort. Doch wie bei vielem, ist das Handwerk nur die eine Seite für das Gelingen.

 

Krimis gelten oft nicht als Literatur. Stört dich das?

 

Mit einem Krimi wird man es wohl kaum ins NZZ-Feuilleton schaffen, doch immerhin: Ich werde in der "Zürcher Kultur" der NZZ besprochen. Die Trennung zwischen Krimi und Literatur spüre ich: Krimischreiber werden nicht ins Literaturhaus eingeladen, bekommen kaum je Fördergelder oder Werkjahre. Das stört mich aber nicht: Ich schreibe letztlich für Leser und nicht für Literaturbeamte. Schliesslich: Auch in der Weltliteratur gibt es Tote.

 

Zurück zur Wirtschaft: Wirst du mit deinen Büchern reich?

 

Seit einem Jahr geht es mit dem Bücherverkauf gut vorwärts. Allerdings kann ich davon nicht leben. Pro verkauftes Buch bekomme ich rund einen Franken. Man rechne!

 

Womit verdient man als Autor Geld?

 

Ich verdiene mein Geld bei Cash oder schreibe Kolumnen und Kurzgeschichten wie etwa kürzlich den Weihnachtskrimi für den Tages-Anzeiger. Daneben schreibe ich für Kundenzeitschriften. Das ist gut so, ich geniesse die Freiheit, nicht von meinen Büchern leben zu müssen.

 

 

Vielen Dank für dieses Gespräch!

 

 

Ernst Solèr  (c) Judith Stadler, Sommer 2006  Ernst Solèr hat Geldbeschaffungskarrieren als Quizkandidat, Spielerfinder, Dauerplauderer, Gabelstapelfahrer, Radiosatiriker, Popgitarrist, Nachtportier, Dokumentarfilmer, News-Reporter, Kleinspekulant und Finanzjournalist hinter sich. In seiner Freizeit tritt der muntere Mittvierziger gegen Fussbälle und leere Bierbüchsen. Er mag weder Insekten, noch Kohlgemüse.

Ernst Solèr wurde am 7.7.1960 in Männedorf am Zürichsee geboren und ist Vater einer Tochter. Er hat unter anderem einen Medienpreis für Finanzjournalisten gewonnen und ist seit 1999 Autor. Zuletzt erschienen: "Staub im Wasser" im Grafit-Verlag, Dortmund.
Mehr über Ernst Solèr unter
www.ernstsoler.ch

Ernst Solèr ist am 16. Juli 2008 im Alter von 48 Jahren nach langer Krankheit gestorben. Im Frühling hat er seinen dritten Krimi rund um den Kommissar Fred Staub mit dem Titel „Staub im Schnee“ vorgestellt; der vierte ist bereits beim Verlag und erscheint voraussichtlich im Frühling 2009.

(C) 2007 by Alexander Rödiger. Alle Rechte vorbehalten. Anderweitige Publikationen sind nur mit ausdrücklicher Genehmigung des Autors gestattet.

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Literaturliste (Deutsche Nationalbibliothek):

Bücher 1.  TatortSchweiz 2
Altermatt, Sabina. - Zürich : Limmat, 2007, 1. Aufl. ISBN 978-3-85791-539-0
Bücher 2.  Staub im Wasser
Solèr, Ernst. - Dortmund : Grafit, 2007, 1. Aufl. ISBN 978-3-89425-332-5
Bücher 3.  Staub im Feuer
Solèr, Ernst. - Dortmund : Grafit, 2006, ISBN 978-3-89425-316-5
Bücher 4.  Der Problemlöser
Solèr, Ernst. - Zürich : WOA-Verl., Werkstatt für Öffentlichkeitsarbeit, 2002, 1. Aufl.
ISBN 3-9512180-9-6
Bücher 5.  Quotenblut
Solèr, Ernst. - Freienstein : NAP-Verl., 1999, 1. Aufl. ISBN 3-9521434-2-1

 
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