
Holger Fries führt gemeinsam mit seinem Team die WALTER FRIES Corporate Finance GmbH mit Sitz in Aschaffenburg. Das unabhängige M&A-Beratungshaus ist seit Jahrzehnten auf Unternehmenstransaktionen im deutschen Mittelstand spezialisiert und begleitet insbesondere Unternehmensverkäufe, Nachfolgelösungen, Management-Buy-outs sowie Beteiligungstransaktionen.
Als Diplom-Bankbetriebswirt (BA) hat Holger Fries in den vergangenen Jahren eine Vielzahl nationaler und internationaler Transaktionen erfolgreich begleitet.
Im Interview spricht er über die aktuelle wirtschaftliche Lage in Deutschland, die Herausforderungen der Unternehmensnachfolge, Veränderungen im unternehmerischen Umfeld sowie die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf das M&A-Geschäft.
Xecutives.net: Herr Fries, Sie haben in den letzten 25 Jahren mit der WALTER FRIES Corporate Finance weit über 200 Unternehmenstransaktionen begleitet. Der Grundstein der Unternehmensgruppe ist bereits in den Achtzigerjahren von Ihrem Vater in Form einer Unternehmensberatung gelegt worden. Sie begleiten Unternehmen und deren Inhaber etwa beim Verkauf Ihrer Unternehmen sowie beim Erwerb von Beteiligungen, Nachfolgelösungen und Buy-outs, um nur einige Ihrer Tätigkeiten zu beschreiben. Was beschäftigt heute viele dieser Unternehmerinnen und Unternehmer und wo sehen Sie die generellen Herausforderungen im Bereich Unternehmensnachfolge, aber auch die Chancen von mittelständischen Unternehmen in Deutschland, wenn man auf die letzten 20 Jahre zurückschaut?
Holger Fries: Als ich vor rund 25 Jahren begonnen habe, standen klassische Nachfolgelösungen klar im Vordergrund. Häufig kamen Unternehmerinnen und Unternehmer im Alter von 60 oder 70 Jahren auf uns zu, weil sie ihre Nachfolge regeln mussten oder wollten. Oft gab es innerhalb der Familie keine geeignete Nachfolge, sodass wir beauftragt wurden, einen passenden Investor oder Käufer für das Unternehmen zu finden.

Heute erleben wir ein deutlich breiteres Spektrum an Fragestellungen. Die Unternehmerinnen und Unternehmer, die sich an uns wenden, sind häufig jünger und beschäftigen sich wesentlich früher mit ihrer strategischen Zukunft. Dadurch entsteht eine grössere Offenheit für unterschiedliche Lösungsansätze, die vor einigen Jahren noch deutlich seltener in Betracht gezogen wurden. Dazu gehören beispielsweise die Beteiligung eines Finanzinvestors, strategische Partnerschaften oder schrittweise Nachfolgemodelle.
Insgesamt beobachten wir, dass unternehmerische Entscheidungen heute stärker von langfristigen strategischen Überlegungen geprägt sind als ausschliesslich von der klassischen Altersnachfolge.
Xecutives.net: Wie würden Sie diese Vielfältigkeit beschreiben?
Holger Fries: Die Frage, ob ein Sohn oder eine Tochter das Unternehmen übernimmt, ist nach wie vor wichtig. Heute spielen jedoch viele weitere Aspekte eine entscheidende Rolle.
Unternehmerinnen und Unternehmer fragen sich beispielsweise, ob die nächste Generation überhaupt Interesse an einer Übernahme hat. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob Eltern ihren Kindern in einem Umfeld, das von geopolitischen Krisen, wirtschaftlichen Unsicherheiten und zunehmender Komplexität geprägt ist, diese Verantwortung übertragen möchten. Hinzu kommen Themen wie Internationalisierung, Fachkräftemangel, Digitalisierung und eine stetig wachsende Regulierungsdichte.
Viele Unternehmer hinterfragen deshalb ihr Geschäftsmodell und prüfen, welche Perspektiven ihr Unternehmen langfristig hat. Vor diesem Hintergrund werden unterschiedliche Zukunftsszenarien offen diskutiert – vom Verbleib in Familienhand über Beteiligungslösungen bis hin zum vollständigen Unternehmensverkauf.
Die Bereitschaft, verschiedene Optionen ergebnisoffen zu prüfen, ist heute deutlich ausgeprägter als noch vor 20 Jahren.
Xecutives.net: Sind junge Menschen, die als Kandidaten für die Führung eines Unternehmens in Frage kommen, heute risikoaverser als früher?
Holger Fries: Ich glaube nicht, dass die nächste Generation grundsätzlich risikoaverser geworden ist. Vielmehr sind junge Menschen heute besser informiert, verfügen über mehr berufliche Optionen und haben oftmals andere Vorstellungen von Karriere und Lebensgestaltung.
Wenn es um Unternehmensübernahmen geht, beobachten wir eher, dass sich die Rahmenbedingungen verändert haben. Banken agieren heute vielfach zurückhaltender als früher. Finanzierungen erfordern häufig einen höheren Eigenkapitalanteil sowie zusätzliche Sicherheiten.
Gleichzeitig stellen sich potenzielle Nachfolgerinnen und Nachfolger berechtigterweise die Frage, ob sie ihr gesamtes Vermögen und ihre berufliche Zukunft an ein einzelnes Unternehmen binden möchten. Alternativ kann auch der Verkauf des Unternehmens und eine breitere Vermögensdiversifikation eine attraktive Option darstellen.
Diese Überlegungen sind aus meiner Sicht weniger Ausdruck einer höheren Risikoscheu als vielmehr das Ergebnis eines bewussteren und strategischeren Umgangs mit Chancen und Risiken.
Xecutives.net: Sie sind selber ins Unternehmen ihres Vaters eingestiegen. Was haben Sie persönlich für Erfahrungen gemacht, auch wenn es um die Nachfolgefrage geht?
Holger Fries: Rückblickend hatte ich den grossen Vorteil, dass ich einen neuen Geschäftsbereich aufbauen konnte. Mein Vater war schwerpunktmässig in der klassischen Unternehmensberatung tätig, während Corporate Finance und M&A damals noch keine Rolle spielten. Dadurch hatte ich die Möglichkeit, einen eigenständigen Bereich zu entwickeln und meine eigenen Ideen umzusetzen. Mein Vater hat mir dabei grosse Freiheiten eingeräumt und mir das notwendige Vertrauen entgegengebracht.
Ich halte es grundsätzlich für sinnvoll, wenn die nachfolgende Generation eigene Akzente setzen und Verantwortung für neue Themen übernehmen kann. Das schafft Freiräume und erleichtert den Einstieg erheblich.
Ebenso wichtig ist es, frühzeitig klare Rollen und Verantwortlichkeiten festzulegen. Wer trifft welche Entscheidungen? Wo liegen die Zuständigkeiten? Solche Spielregeln helfen dabei, Missverständnisse und Konflikte von Anfang an zu vermeiden. In unserer Familie ist uns das sehr gut gelungen.
Letztlich hängt eine erfolgreiche Unternehmensnachfolge aber immer auch von den beteiligten Persönlichkeiten ab. Unternehmerinnen und Unternehmer sind häufig entscheidungsstark und durchsetzungsfähig – Eigenschaften, die für den Aufbau eines Unternehmens wichtig sind. Im Familienunternehmen können genau diese Charakterzüge jedoch zu Spannungen führen, wenn mehrere Generationen zusammenarbeiten. Deshalb sind gegenseitiges Vertrauen, offene Kommunikation und die Bereitschaft, Verantwortung schrittweise zu übergeben, aus meiner Sicht die entscheidenden Erfolgsfaktoren.
Xecutives.net: Ist es heute komplizierter ein Unternehmen zu führen als vielleicht noch vor 25 Jahren?
Holger Fries: Aus meiner Sicht eindeutig ja. Viele Unternehmerinnen und Unternehmer berichten uns, dass die Zahl externer Einflussfaktoren in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat. Das wirtschaftliche Umfeld ist deutlich volatiler geworden und langfristige Planbarkeit fällt zunehmend schwer.
Die vergangenen Jahre haben dies eindrucksvoll gezeigt: die Corona-Pandemie, der Krieg in der Ukraine, geopolitische Spannungen im Nahen Osten sowie anhaltende Unsicherheiten auf den Energie- und Rohstoffmärkten. Solche Entwicklungen wirken sich unmittelbar auf Lieferketten, Absatzmärkte und Investitionsentscheidungen aus und erhöhen den unternehmerischen Handlungsdruck.
Gleichzeitig sehen wir für den Standort Deutschland und die DACH-Region durchaus positive Entwicklungen. So gewinnt beispielsweise die Rückverlagerung von Produktionskapazitäten nach Europa an Bedeutung, um Lieferketten resilienter zu gestalten. Davon profitieren zahlreiche mittelständische Unternehmen.
Auf der anderen Seite nimmt die regulatorische Belastung kontinuierlich zu. Neue gesetzliche Vorgaben, Dokumentationspflichten und bürokratische Anforderungen binden erhebliche Ressourcen und treffen insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen. Insgesamt ist Unternehmertum dadurch anspruchsvoller geworden als noch vor zwei Jahrzehnten.
Xecutives.net: Wie verhält es sich mit den Transaktionsvolumina, wenn sie heute mit den letzten 20 Jahren vergleichen?
Holger Fries: Die durchschnittlichen Transaktionsvolumina sind bei uns im Laufe der Jahre gestiegen. Das hängt zum einen mit unserer eigenen Unternehmensentwicklung zusammen: Mit zunehmender Erfahrung und einem grösseren Team begleiten wir heute auch komplexere und grössere Transaktionen als noch vor 20 oder 25 Jahren.

Betrachtet man den Gesamtmarkt, zeigt sich jedoch ein differenziertes Bild. Gerade kleinere Unternehmen haben heute deutlich grössere Schwierigkeiten, einen geeigneten Nachfolger oder Käufer zu finden. Immer häufiger erleben wir, dass Unternehmen trotz grundsätzlich funktionierender Geschäftsmodelle keinen Erwerber finden und letztlich ihren Betrieb einstellen müssen. Diese Entwicklung war vor einigen Jahrzehnten in dieser Form kaum zu beobachten.
Ein wesentlicher Grund liegt darin, dass viele kleinere Unternehmen sehr stark auf ihre Inhaber zugeschnitten sind. Fehlt eine zweite Führungsebene oder sind wichtige Kunden- und Lieferantenbeziehungen ausschliesslich an den Unternehmer gebunden, steigt aus Sicht potenzieller Investoren das Risiko erheblich. Deshalb empfehlen wir unseren Mandanten, frühzeitig Führungsstrukturen aufzubauen und Verantwortlichkeiten auf mehrere Schultern zu verteilen.
Insgesamt ist die Zahl der M&A-Transaktionen in den vergangenen Jahren zurückgegangen. Die wirtschaftlichen Unsicherheiten, geopolitische Krisen und ein schwierigeres Finanzierungsumfeld haben dazu geführt, dass Investoren vorsichtiger agieren und Banken Finanzierungen restriktiver begleiten. Gleichzeitig dauern Transaktionsprozesse heute häufig länger als früher, weil Investoren genauer prüfen und Entscheidungen sorgfältiger absichern.
Xecutives.net: Dr. Steffen Dietz hat im Interview Auskunft darüber gegeben, was es in Bezug auf Unternehmenstransaktionen, vor allem bei M&A-Geschäften auch rechtlich zu beachten gilt. Wo und wann bedarf es rechtlicher Expertise bei Ihren Transaktionen?
Holger Fries: Rechtliche Expertise ist heute deutlich früher gefragt als noch vor einigen Jahren. Immer mehr Unternehmerinnen und Unternehmer kommen bereits ein bis drei Jahre vor einem geplanten Unternehmensverkauf auf uns zu. Diese frühzeitige Vorbereitung bietet die Möglichkeit, das Unternehmen strukturell und organisatorisch so aufzustellen, dass es für potenzielle Investoren attraktiver wird.
Generell haben sich M&A-Prozesse in den vergangenen Jahren stark professionalisiert. Während früher viele Unternehmer den Verkauf ihres Unternehmens eigenständig angingen, werden heute deutlich häufiger spezialisierte Berater hinzugezogen – neben M&A-Beratern insbesondere Steuerberater und Rechtsanwälte. Das erhöht nicht nur die Erfolgsaussichten einer Transaktion, sondern sorgt auch für strukturierte Abläufe und eine höhere Transaktionssicherheit.
Gerade in der Vorbereitungsphase lassen sich rechtliche Risiken identifizieren und beseitigen, bevor sie sich negativ auf den Unternehmenswert oder sogar auf die Veräusserbarkeit auswirken. Typische Beispiele sind sogenannte Change-of-Control-Klauseln in Kunden- oder Lieferverträgen, gesellschaftsrechtliche Fragestellungen oder Pensionszusagen, die nicht oder nur unzureichend finanziell abgesichert sind. Solche Themen werden im Rahmen einer Due Diligence regelmässig geprüft und können den Verhandlungsverlauf erheblich beeinflussen.
Eine sorgfältige rechtliche Vorbereitung schafft Transparenz, vermeidet unangenehme Überraschungen und trägt wesentlich dazu bei, den Verkaufsprozess effizient und erfolgreich abzuschliessen. Spätestens bei der Gestaltung und Verhandlung der Vertragswerke ist die enge Zusammenarbeit mit erfahrenen Rechtsberatern ohnehin unverzichtbar.
Xecutives.net: Warum sollte ein Unternehmer überhaupt einen M&A-Berater einschalten, insbesondere wenn er vielleicht ohnehin weiss, wer als Interessent in Betracht kommt, d.h. welchen Mehrwert können Sie Investoren und Unternehmern bieten?
Holger Fries: Für die meisten Unternehmer ist der Verkauf des eigenen Unternehmens eine einmalige Entscheidung. Entsprechend fehlt häufig die Erfahrung mit den komplexen wirtschaftlichen, rechtlichen und strategischen Fragestellungen, die ein solcher Prozess mit sich bringt.
Der Mehrwert eines M&A-Beraters beginnt deshalb weit vor den eigentlichen Verkaufsverhandlungen. Gemeinsam mit dem Unternehmer entwickeln wir zunächst eine geeignete Verkaufsstrategie, bereiten sämtliche relevanten Informationen professionell auf und prüfen, ob das Unternehmen optimal für eine Transaktion aufgestellt ist.
Auch wenn bereits ein potenzieller Käufer bekannt ist, lohnt sich häufig ein strukturierter Marktansatz. Durch unser Netzwerk zu strategischen Investoren, Familienunternehmen und Finanzinvestoren können wir alternative Interessenten identifizieren und einen Wettbewerb erzeugen. Dadurch verbessert sich nicht nur häufig der Kaufpreis, sondern auch die Auswahl hinsichtlich weiterer entscheidender Kriterien – etwa der zukünftigen Unternehmensentwicklung, möglicher Beteiligungsmodelle oder der Rolle des Unternehmers nach dem Verkauf.
Ein weiterer zentraler Aspekt ist die Vertraulichkeit. Der Verkauf eines Unternehmens ist ein äusserst sensibler Prozess. Wird die Verkaufsabsicht zu früh bekannt, kann dies Mitarbeitende, Kunden oder Geschäftspartner verunsichern. Als unabhängiger Berater übernehmen wir deshalb die Ansprache potenzieller Investoren und fungieren als Schutzschild zwischen Verkäufer und Markt.
Der eigentliche Verkaufsprozess folgt dabei einer klaren Struktur: Nach einer umfassenden Vorbereitung identifizieren wir geeignete Interessenten, begleiten die Gespräche, koordinieren die Due Diligence und unterstützen anschliessend die Vertragsverhandlungen bis zum erfolgreichen Abschluss.
Was sich jedoch von Transaktion zu Transaktion unterscheidet, sind die Menschen und ihre persönlichen Geschichten. Für viele Unternehmer ist der Verkauf ihres Unternehmens weit mehr als eine wirtschaftliche Entscheidung – häufig geht es um ein Lebenswerk, das über Generationen aufgebaut wurde. In solchen Situationen übernehmen wir nicht nur die Rolle des Beraters, sondern oft auch die eines Sparringspartners. Wir begleiten unsere Mandanten durch einen emotional anspruchsvollen Prozess, schaffen Orientierung und geben ihnen die Sicherheit, die sie für eine solch weitreichende Entscheidung benötigen.
Xecutives.net: Zu Ihren Aufgaben gehört auch, den Unternehmenswert zu steigern bzw. den wahren Wert sichtbar zu machen. Was gilt es hier zu beachten?
Holger Fries: Viele Unternehmer unterschätzen, dass der Unternehmenswert bereits lange vor einem geplanten Verkauf beeinflusst werden kann. Entscheidend ist, den tatsächlichen wirtschaftlichen Wert eines Unternehmens transparent darzustellen und gleichzeitig mögliche Werttreiber gezielt weiterzuentwickeln.
Ein wichtiger Aspekt betrifft die finanzielle Darstellung des Unternehmens. Gerade mittelständische Unternehmen verfolgen häufig das legitime Ziel, ihre Steuerbelastung zu optimieren. Dadurch spiegeln Jahresabschlüsse den tatsächlichen Ertragswert eines Unternehmens jedoch nicht immer vollständig wider. Stille Reserven, Rückstellungen oder bilanzielle Bewertungsansätze können dazu führen, dass die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit auf den ersten Blick geringer erscheint, als sie tatsächlich ist. Diese Zusammenhänge müssen gegenüber potenziellen Investoren nachvollziehbar erläutert und entsprechend aufbereitet werden.
Ebenso wichtig ist die organisatorische Aufstellung des Unternehmens. Ist das gesamte Wissen oder die Entscheidungsbefugnis ausschliesslich beim Inhaber gebündelt, erhöht das aus Sicht eines Käufers das unternehmerische Risiko erheblich. Deshalb unterstützen wir unsere Mandanten dabei, Verantwortlichkeiten auf mehrere Schultern zu verteilen, eine leistungsfähige zweite Führungsebene aufzubauen und tragfähige Organisationsstrukturen zu schaffen.
Darüber hinaus spielen steuerliche und gesellschaftsrechtliche Strukturen eine wichtige Rolle. So kann beispielsweise die rechtzeitige Einrichtung einer Holdingstruktur – abhängig von der individuellen Situation – erhebliche Vorteile für den späteren Verkauf bieten.
Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Value Controlling beziehungsweise einer systematischen Unternehmenswertsteigerung. Ziel ist es nicht, den Unternehmenswert künstlich zu erhöhen, sondern die vorhandenen Stärken sichtbar zu machen und bestehende Potenziale konsequent auszuschöpfen. Dafür braucht es allerdings ausreichend Vorlauf. Wer sich erst unmittelbar vor dem Verkauf mit diesen Themen beschäftigt, verschenkt häufig wertvolle Möglichkeiten.
Xecutives.net: Wie lange dauern solche Transaktionen in der Regel und was sollte der potenzielle Verkäufer/Käufer dabei unbedingt beachten?
Holger Fries: Die Dauer einer Transaktion hängt von vielen Faktoren ab – unter anderem von der Grösse und Komplexität des Unternehmens, der Käuferstruktur sowie den notwendigen Prüfungs- und Entscheidungsprozessen.
Wenn wir mit Finanzinvestoren zusammenarbeiten, die regelmässig Unternehmen erwerben, können Prozesse teilweise sehr zügig ablaufen, da die Beteiligten mit den einzelnen Schritten vertraut sind. In Ausnahmefällen kann eine Transaktion innerhalb von vier Monaten abgeschlossen werden. Das ist jedoch eher die Ausnahme.
Bei klassischen mittelständischen Unternehmen liegt die Dauer eines Verkaufsprozesses in der Regel eher bei sechs bis neun Monaten. Bei grösseren oder grenzüberschreitenden Transaktionen kann sich der Zeitraum deutlich verlängern – insbesondere dann, wenn zusätzliche Gremien, Genehmigungen oder internationale Abstimmungen erforderlich sind. Hier kann ein Prozess durchaus ein Jahr oder länger dauern.
Während eines Verkaufsprozesses kann sich das Marktumfeld erheblich verändern. Branchen entwickeln sich weiter, wirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern sich und dies kann Einfluss auf Bewertung und Verkaufsstrategie haben.
Ein Beispiel dafür ist der Immobilien- und Hochbaubereich. Wir wurden vor einiger Zeit mit dem Verkauf eines Unternehmens aus diesem Segment beauftragt. Die Vorbereitung und der Prozess waren sehr professionell aufgesetzt, allerdings hat sich das Marktumfeld während dieser Zeit deutlich eingetrübt. In solchen Situationen kann es sinnvoll sein, einen Verkauf nicht um jeden Preis durchzuführen, sondern den richtigen Zeitpunkt abzuwarten.
Entscheidend ist daher eine realistische Einschätzung der Marktbedingungen und eine gute Vorbereitung. Je besser ein Unternehmen strukturell und strategisch auf eine Transaktion vorbereitet ist, desto grösser sind die Chancen auf einen erfolgreichen Abschluss.
Xecutives.net: Deutschland kämpft seit mehreren Jahren mit einer Wirtschaftskrise. Was hat das für Auswirkungen auf Ihr Geschäft und was hat das für Auswirkungen ganz generell auf die Unternehmen, mit denen Sie als M&A Berater zusammenarbeiten?
Holger Fries: Die vielen wirtschaftlichen und geopolitischen Herausforderungen der vergangenen Jahre haben spürbare Auswirkungen auf Unternehmerinnen und Unternehmer. Viele erleben eine zunehmende Unsicherheit und stellen sich die Frage: Was kommt als Nächstes – und möchte ich diese Verantwortung unter den aktuellen Rahmenbedingungen weiterhin tragen?
Wir beobachten, dass die Abstände zwischen Krisen immer kürzer werden. Das führt dazu, dass sich manche Unternehmer früher mit einem Verkauf oder einer Nachfolgelösung beschäftigen, als sie dies ursprünglich geplant hatten. Entsprechend verzeichnen wir in wirtschaftlich unsicheren Zeiten häufig eine höhere Nachfrage nach Beratung.
Auf der Investorenseite hat sich der Prüfungsprozess gleichzeitig intensiviert. Geschäftsmodelle werden heute deutlich kritischer hinterfragt: Wie resilient ist das Unternehmen? Welche Auswirkungen haben wirtschaftliche Veränderungen auf Kunden, Lieferanten, Mitarbeitende oder die gesamte Wertschöpfungskette?
Diese intensivere Prüfung führt dazu, dass Transaktionsprozesse länger dauern und Unternehmensbewertungen stärker unter Druck geraten können. Gerade im Small- und Midcap-Bereich agieren Finanzinvestoren aktuell selektiver, während Banken Finanzierungen zurückhaltender begleiten.
Xecutives.net: Ist es nicht auch so, dass in schwierigen Zeiten die Investoren die Chance wittern, Unternehmen zu einem viel günstigeren Preis zu bekommen als in Zeiten, in denen die Wirtschaft floriert?
Holger Fries: Ja, schwierige Marktphasen bieten grundsätzlich auch Chancen. Wenn Bewertungen zurückgehen, entstehen attraktive Einstiegsmöglichkeiten für Investoren. Allerdings ist der Markt deutlich selektiver geworden.
Wir beobachten, dass einzelne Branchen aktuell besonders stark unter Druck stehen. Ein Beispiel ist die Automobilindustrie. Aufgrund ihrer grossen Bedeutung für den deutschen Wirtschaftsstandort betrifft die Entwicklung nicht nur Fahrzeughersteller, sondern auch zahlreiche Zulieferunternehmen aus Bereichen wie Metallverarbeitung, Kunststofftechnik oder Logistik.
Gleichzeitig gibt es Branchen und Geschäftsmodelle, die gerade in unsicheren Zeiten besonders attraktiv sind. Investoren konzentrieren sich zunehmend auf Unternehmen mit nachhaltigen Zukunftsperspektiven, stabilen Geschäftsmodellen und klaren Wachstumspotenzialen.
Dabei zeigt sich: Nicht ganze Branchen sind grundsätzlich gut oder schlecht. Innerhalb jeder Branche gibt es Gewinner und Unternehmen, die stärker unter Veränderungen leiden. Ein gutes Beispiel ist die Automobilindustrie mit dem Wandel zur Elektromobilität. Während bestimmte Bereiche unter Druck geraten sind, konnten andere – etwa technologie- und softwareorientierte Unternehmen – stark profitieren.
Auch das Thema Künstliche Intelligenz zeigt diese Dynamik sehr deutlich. Unternehmen, die KI frühzeitig integrieren und als Chance nutzen, können Wettbewerbsvorteile erzielen. Andere Geschäftsmodelle geraten dadurch möglicherweise unter Druck.
Diese Veränderungen wirken sich unmittelbar auf Unternehmensbewertungen aus. Ein Unternehmen, das vor zwei Jahren noch sehr attraktiv bewertet wurde, kann heute aufgrund veränderter Marktbedingungen deutlich anders eingeschätzt werden.
Xecutives.net: Gibt es Transaktionen, die Sie besonders gerne mitbegleiten und gestalten? Gibt es eine Art von Geschäft oder Branche, die Ihnen besonders am Herzen liegt?
Holger Fries: Was mir persönlich besonders in Erinnerung bleibt, sind die emotionalen Aspekte einer Transaktion. Gerade bei Unternehmen, die über mehrere Generationen aufgebaut wurden oder an denen ganze Familien und Existenzen hängen, geht es um deutlich mehr als eine rein wirtschaftliche Entscheidung.
Unternehmerinnen und Unternehmer der vierten oder fünften Generation sind häufig sehr eng mit der Geschichte und Identität ihres Unternehmens verbunden. Oft trägt das Unternehmen sogar den eigenen Familiennamen. Für diese Menschen ist es besonders wichtig, dass ihr Lebenswerk in gute Hände übergeht und erfolgreich weitergeführt wird.
Solche Transaktionen erfordern viel Engagement und persönliche Begleitung. Viele Gespräche finden ausserhalb klassischer Geschäftszeiten statt – abends oder auch am Wochenende –, weil häufig mehrere Familienmitglieder und Beteiligte eingebunden werden müssen.
Am Ende ist es für uns nicht nur der wirtschaftliche Erfolg einer Transaktion, der zählt. Besonders wertvoll ist das Gefühl, dazu beigetragen zu haben, dass ein Unternehmen eine erfolgreiche Zukunft erhält. Aus solchen langfristigen Beziehungen entstehen häufig auch persönliche Kontakte und Freundschaften, die weit über den Abschluss einer Transaktion hinaus bestehen bleiben.
Xecutives.net: Wie verändert KI ganz konkret Ihr Geschäft und das Ihrer Kunden? Ist alles letztlich doch nur ein Hype oder erkennen Sie in Ihrem Tagesgeschäft bereits Veränderungen?
Holger Fries: Künstliche Intelligenz hat bereits heute spürbare Auswirkungen auf unser Geschäft und wird die M&A-Branche nachhaltig verändern. Wir beschäftigen uns intensiv mit neuen Anwendungen und testen regelmässig unterschiedliche KI-Tools.
Ein grosser Bereich ist die Verarbeitung und Aufbereitung von Informationen. Bei der Erstellung von Verkaufsunterlagen, insbesondere von Informationsmemoranden, können KI-Anwendungen heute viele Arbeitsschritte deutlich effizienter gestalten. Aufgaben, für die früher erheblich mehr Zeit benötigt wurde oder externe Spezialisten eingebunden wurden, können mittlerweile schneller und teilweise eigenständig umgesetzt werden – ohne dabei Qualitätsstandards zu verlieren.
Auch auf Investorenseite kommen zunehmend KI-basierte Anwendungen zum Einsatz. Beispielsweise können grosse Mengen an Dokumenten im Rahmen einer Due Diligence deutlich schneller analysiert werden. Tausende von Verträgen lassen sich innerhalb kürzester Zeit auf bestimmte Sachverhalte oder Risiken untersuchen – eine Aufgabe, die früher einen erheblichen manuellen Aufwand verursacht hat.
Auch im Datenraum-Management sehen wir interessante Anwendungen, die Prozesse vereinfachen und beschleunigen.
Trotz aller technologischen Möglichkeiten bin ich überzeugt, dass der persönliche Faktor im M&A-Geschäft weiterhin entscheidend bleibt. Der Verkauf eines Unternehmens ist eine sehr persönliche Angelegenheit. Vertrauen entsteht durch Erfahrung, persönliche Gespräche und die Fähigkeit, die Situation eines Unternehmers wirklich zu verstehen. Diese menschliche Komponente wird auch durch die beste Technologie nicht ersetzt werden.
Xecutives.net: Was wünschen Sie sich für die Zukunft, Herr Fries? Gibt es Transaktionen, die Sie unbedingt mal machen möchten?
Holger Fries: Einen konkreten Wunschzettel für bestimmte Transaktionen habe ich nicht. Die Vielfalt unserer Projekte, sowohl hinsichtlich der Branchen als auch der Unternehmensgrössen, macht für mich gerade den Reiz unserer Arbeit aus.
Was mich heute stärker beschäftigt, ist die Weiterentwicklung unseres eigenen Unternehmens. Wir sind mittlerweile ein Team von rund 25 Personen, die mit grossem Engagement an unseren Projekten arbeiten. Mein Fokus liegt deshalb vor allem auf Fragen der Führung und der Unternehmenskultur.
Wir binden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr früh in anspruchsvolle Projekte ein und geben ihnen Verantwortung. Mein Ziel ist es, unser Unternehmen weiter wachsen zu lassen, ohne dabei unsere besondere Unternehmenskultur und unsere DNA zu verlieren.
Ein gutes Betriebsklima, persönliches Engagement und die Qualität unserer Arbeit sind für mich zentrale Erfolgsfaktoren. Diese Werte auch während unseres weiteren Wachstums zu bewahren, ist für mich aktuell die wichtigste Aufgabe.
Xecutives.net: Herr Fries, ich bedanke mich für die Zeit, die Sie sich für dieses Interview genommen und habe und ich wünsche Ihnen und Ihrem Unternehmen weiterhin alles Gute und viel Erfolg!
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